Die Tage sind gezählt. Am 06.06.2014 gehts los. Sepp Hölzl startet mit seinem Bruder Hubert (der Obmann des Leopoldschläger Radclubes) die Radfernfahrt vom Kap da Roca, der geografisch westlichste Punkt vom Festland Europas, durch Portugal, Spanien, Frankreichen, Deutschland und schließlich über Oberösterreich nach Leopoldschlag.
Radio Pablicek
Tag 1: 06. Juni 2014 – Sternzeit 08:45 Uhr Landung Flughafen Lissabon – Uhrzeit 1 Stunde zurück. Die Radkartons „heil“ übernommen. Mit Taxi geht es schließlich Richtung „Kap“ – den geographisch westlichste Punkt von Europa. Regen setzt ein und wird auf den ersten 35 km immer heftiger. Völlig durchnässt checken wir im Leziria Parque Hotel ein. Gesamt 80 km.
Der westlichste Punkt in Europa!
Tag 2: 07. Juni 2014 – Portugal von seiner schönsten Seite. Nach einem Frühstück vom Feinsten klarte der Himmel auf und Villa Franca de Xira – so der Ort, zeigte sich in einem völlig neuen Bild. Über die Brücke der Tejomündung in den Atlantik ging es ins Landesinnere. Nach 45 km begann eine wirkliche Genusstour, völlig verkehrsarm und eine Landschaft voller unbekannter Bäume und Kulturen. Nach 100 km erreichten wir den Lago Montargil. Etappenziel war dann nach 185 km die Stadt Portalegre.
Zusammenfassung: Tolle Route, tolle Orte, tolle Landschaft, toller Sonnenbrand (Hubert).
Portalegre (Portugal)
Tag 3: 08. Juni 2014 – Portugal ade! Es wird immer heißer. Wolkenloser Himmel an diesem Sonntagmorgen und überhaupt kein Verkehr, ja nahezu ausgestorben. Von Portalegre gleich ein Serpentinenanstieg von 5 km in Richtung Grenze zu Spanien. VIVA Espania – eine verlassene Grenzstation erinnert noch auf die alten Zeiten. Ein Foto von uns beiden musste mit Selbstauslöser gemacht werden, da wir einsam und verlassen dort standen. Auch eine sprachliche Umstellung stand uns bevor „Cerveza – Bier und Vino tinto – Rotwein“. Gegen 13.00 Uhr wurde es immer heißer und wir bewegten uns bei KM 120 auf einen Stausee im Naturschutzgebiet Toja. Ein Naturjuwel sondergleichen. Nach 165 km beenden wir die Tagestour in Canaveral. Landschaftlich sicherlich ein Highlight der Tour.
Tag 4: 09. Juni 2014 - Die Pässe warten! Bis Plasencia fahren wir parallel zur Autobahn auf Landesstraße und erreichen mit Rückenwind die Stadt nach 1 Stunde und 35 km. Altstadtbesichtigung und Espressopause bzw. Frühstücksnachbesserung. Nun führt die Tour auf die N 110, welche uns noch 2 Tage verfolgen wird. Stetig ging es bergauf und linksseitig waren auf den ca. 2.500 m hohen Gipfel die Schneereste sichtbar. Die Höhenmarke von 1.275 m wurde erreicht. Gespickt von tausenden von Kirschenbäumen. Abfahrt nach El Barco de Avila. Einkehr am Hauptplatz bei Tapas (Tintenfisch). Weiter über weiteren Paß 1.160 m nach Piedrahita. Einchecken im Hostal Goya nach 135 km und 2.400 Höhemeter. Auf der Hauptstraße wird ein Lokal unter dem Faktor „Geheimtipp“ ausgekundschaftet. Wir bestellen unbekannte Sachen von der Karte und erhalten eine landestypische Speck- und Wurstplatte und dazu Rotwein auf Kosten des Hauses.
Tag 5: 10. Juni 2014 - „Ruhetag“. Der Wegweiser in Piedrahita zeigt „AVILA – 65 km“. Unser Ziel ist also relativ nahe und wird nach einer Capucinopause um die Mittagszeit erreicht. Die Stadtmauern dieser einzigartigen Stadt auf 1100 Meter Seehöhe sind bereits von weitem sichtbar. Die Innenstadt ist durch eines von zahlreichen schmalen Toren erreichbar. Die Quartiersuche war im Nu erfolgreich. Ein Zimmer im Hostal Alcantara war wie „reserviert“ für uns. Anschließend Kleiderwäsche und dann ein Stadtbummel. Die Innenstadt war gespickt von Kathedralen, Geschäften und Touristen. Ein tolles Vorabendessen in der von Restaurants gesäumten Fußgängerzone war der Abschluss der Stadt- und Kirchenbesichtigung (Kathedrale Santa Teresa). 65 km. Die kürzeste Etappe der Radfernfahrt.
Tag 6: 11. Juni 2014 - Ein Tag in der Hochebene! Diesen Tag sollten wir Meter machen. Zeitig in der Früh brachen wir in Avila auf. Bei der Wegfahrt zeigte das Garmin von Pepi vorerst in Richtung Westen, was natürlich völlig verkehrt war. Zitat von Hubert „Was i weiß, geht auch hier die Sonne im Osten auf!“ Also in Richtung Sonne. Erste Pause in der Stadt Segovia. Prädikat „Sehenswert“. 65 km in einem schnellen Tempo (kaum unter 30 km/h.) Es geht aber immer oberhalb von 1.000 m Seehöhe dahin. Weiter bergauf – bergab in Richtung Pradena. Rast bei Km 110 in einem von Bikern belagerten Restaurants. Es gibt frische Ofenkartoffel mit Kräuterbutter. Am Nachmittag setzte dann ordentlicher Rückenwind ein und wir fuhren und fuhren und f….. Am beabsichtigten Endziel San Esteban waren aber plötzlich dunkle Gewitterwolken da. Wir fuhren weiter in die Stadt El Burgo, was sich als Glücktreffer herausstellte. Belebte Plätze und rundherum Arkadengänge entlang der Häuser. Einfach schön und ein Traum für einen Abendbummel. Resümee: 204 km, gefeiert mit einer Flasche Vino tinto. Zitat „Eigentlich haben wir jeden Tag etwas zum Feiern!“
Tag 7: 12. Juli 2014 – Von der Hochebene ins Tal! An diesem Tag sollten wir das Hochplateau verlassen. Die Stadt Soria wird nach 40 km erreicht. Zuerst durchstreifen wir noch ein Naturschutzgebiet mit Nullverkehr und einem Wald mit Lärchenbäumen kilometerweit . Kurz nach der Stadt Soria setzt plötzlich kurz ein Hagelschauer ein. Im Nu war die Straße wieder trocken und es ging vorerst leicht bergab auf einer gut ausgebauten Landesstraße bis Agreda. Dort stärkten wir uns mit Fisch, Salat und frischen Kartoffel und so konnten wir auch den herannahenden Regen erwarten, was uns natürlich zu einer verlängerten Pause zwang. Als der Regen dann schnell wieder zu Ende war drehte die Streckenführung in Richtung Norden. Die Weiterfahrt im Trockenen und die angenehmen Temperaturen motivierten zu neuen Kräften und es „meterte“ nur so dahin. Castejon sollte dann unser Zielort sein. Inzwischen hatte die Sonne wieder die Übermacht. Hotel Europa hieß unsere Beherbergung, nachdem wir bei einer anderen Unterkunft ein „Mäuseproblem“ entdeckten. PS: Pepi sprach von Ratten, naja, es waren aber große Mäuse.
Resümee: Wieder (eigentlich eh immer) ein toller Streckenabschnitt, 165 km. Die 1.000 km Marke überschritten.
Tag 8: 13. Juli 2014 - Die letzte reine Spanienetappe! Pamplona hieß das Ziel der heutigen Etappe. 87 km – also ein Ruhetag. Die Strecke erwies sich als ungewöhnlich hügelig mit langen einsehbaren geraden Straßenstücken. Aber es geht in einem guten Tempo weiter. Und dann kam kurz nach Mittag die Größe der Stadt zum Vorschein. Vor dem eigentlichen Zentrum ging es nochmal berghoch und dann in die engen Gassen der Altstadt, wo ja jährlich sich Menschen mit Stiere eine Hatz liefern. Die Spuren und Denkmäler erinnern in jeder Gasse. Und dann die Spuren des Jakobsweges. Pilger mit Rucksäcken, Pflastersteine mit der Jakobsmuschel, pompöser Hauptplatz mit dem Jakobsbrunnen. Ein Restaurant nach dem anderen. Singende Jugendliche. Wir suchen eine Herberge und quartieren uns in einer Pension ein. Die ältere Betreiberin ist aber gleich an der sofortigen Bezahlung der Unterkunft interessiert, als eher an der Aufbewahrung unserer Räder. Und so stellten wir sie im Innenhof ab. Waschtag ist angesagt, es hatte wunderschönes Wetter und wir hatten einen südseitig ausgerichteten Balkon. Trockenzeit 1 Stunde. Freier Nachmittag Besichtigung, Paella am Abend und Stadtbummel. Um 21.00 Uhr in Bar WM-Spiel Spanien gegen Holland.
Tag 9: 14. Juni 2014 - Tag der Pyrenäen! Eine harte Prüfung stand bevor. Überquerung der Pyrenäen. Gleich außerhalb von Pamplona bogen wir in ein einsames total verkehrsarmes Tal mit einer schmalen Straße in Richtung Berge ein. Stetig ging es berghoch und die Höhenmeter purzelten. Pepi konnte sich zwischendurch wieder an Stellen erinnern, wo er bereits 1993 mit dem Rennrad unterwegs war. Am Pass bzw. kurz vorher suchten wir eine Art Frühstücksbar auf. Diese lebten offensichtlich nur von Pilgern und das vermutlich sehr gut. Rucksäcke stapelten sich für den Transportservice. Am ganzen Anstieg kreuzte mehrmals der Jakobsweg. Wir waren erstaunt über die Frequenz und Menge von Pilgern. Da ging es zu wie am ORF Wandertag. Etwa um 12:00 Uhr waren wir am höchsten Punkt des Tages angelangt und dann folgte eine lange rasante Abfahrt über nahezu 700 Höhenmeter bis Saint Jean Piet de Port. Über wechselnde Landstraßen ging es weiter und unser Ziel Orthez wurde nach 164 km und 1822 Höhenmeter erreicht. Die Stadt Orthez beeindruckte uns vorerst nicht so richtig. Schwierige Quartiersuche, mangelnde Freundlichkeit, bla, bla bla…. Mit einem Wort: Spanien können sie nicht das Wasser reichen.
Tag 10: 15. Juni 2014 - Ein Tag in Südfrankreich! Das Frühstück im Hotel in Orthez entschädigte dann so manches vom Vortag. Es gab eigentlich wieder einmal alles was man so haben will. Pünktliche Abfahrt in Richtung Nordosten. Nach exakt 88 km im Ort Roquefort dann eine Pause am Stadtplatz. Einkauf im Supermarkt und anschließendes Powernapping auf Parkbank. Die Streckenführung durch die einzelnen Orte zeigte uns, dass die Bars und Restaurants alle bis 17:00 Uhr geschlossen haben, was natürlich einem Radfahrer nichts nützt. Viele leerstehende Gebäude werden zum Verkauf angeboten. Doch nach 168 gefahrenen Tageskilometer erreichen wir Marmande. Der Ort ist schön und verfügt über eine etwas zu groß geratene Kathedrale. Hubert ist wieder einmal für die Erkundung der kulturellen Hintergründe der Stadt zuständig. Diesmal sogar für das Abendessen. Es gab eine wirklich hervorragende Pizza mit Chiliöl und Vin rouge (dunkler Traubensaft, vergärt). Am Abend noch Fußball-WM live in einer Bar.
Tag 11: 16. Juni 2014 - Tag der Chateaus! Nach einem ausgiebigem Frühstück (wurde von Tag zu Tag besser) ging es um 08:30 Uhr ins französische Mühlviertel. Die landwirtschaftlichen Kulturen wechseln langsam in Richtung Weinbau. Wir fahren auf die nach einem Wein benannte Stadt Bergerac zu. Nach 50 km Kaffeepause in Ribagnac. Tolle Chateaus säumen die Strecke. Am Nachmittag erreichen wir nach einem längeren Anstieg den Ort Le Rossignol. An der Bergkuppe gönnen wir uns dann in einem schönen Gastgarten ein „schönes Bier“, wie der Mundl sagt. Lagebesprechung und Weiterfahrt bis Excideuil. 157 km mit 1.636 Höhenmeter. Abendprogramm: Burgbesichtigung, Abendessen und Fußball-live Deutschland gegen Portugal. 165 km. Schön langsam pendelt sich "kein Tag unter 150 km ein"
Tag 12: 17. Juni 2014 - Zentralfrankreich ist erreicht! Frühstück vom Feinsten mit allen Sachen was man so braucht. Abfahrt um 08:15 Uhr und gleich eine Steigung, um den müden Beinen klarzumachen – Kein Tag zum Ausruhen! Außerdem war dann ein Stück lang der Straßenbelag schlechter, das heißt Split und der Geruch nach frischem Teer. Als wir dann bei der Teermaschine anstanden, das nächste Hindernis. Beim Ausweichen im Straßengraben mussten wir den ruhenden Arbeitern ausweichen
. Naja, bei uns lehnen sie an der Schaufel, dort liegen sie. Dann in Pompadour der erste Höhepunkt. Ein Chateau der Extraklasse. Auch Richard Löwenherz soll dort eine Rast eingelegt haben. Und jetzt nach „einigen“ Jahren auch die Hölzl Brüder. Das wird aber vermutlich auf der Informationstafel des Chateaus nicht aufscheinen. Dann ein ständiges Auf und Ab. Zu Mittag gönnen wir uns in einem eher unscheinbaren Restaurant Calamari Frites. Beim nachmittäglichen Einkauf eines Ersatzreifen (der ursprüngliche wurde bereits gebraucht) der erste deutschsprachige Kontakt. Weiterfahrt in Richtung Etappenziel Aubusson. Die Stadt lag in einem Tal und so ging es am Ende ca. 5 km rasant bergab
penetrated (entered) your partner?expectations, priorities and preferences. The identification viagra kaufen ohne rezept. problems?" viagra without prescription and should therefore be reserved for select cases failing. both central and peripheral activity. In placebo controlled cialis for sale They include intracavernosal injection therapy,.
Tag 13: Aubusson (Bellsac) – Villafranche-d`Allier - 122 km, 1.367 HM. Der Morgen beginnt relext. Frühstück, Tagebucheintragungen und losfahren um 09.30 Uhr. Tourenabweicheung und direkte Straße nach Montlucon, einer größeren Stadt. Vorerst Hochnebel und wenig Landschaft. Dann aber nach 30 km die ersten Sonnenfenster. Nach Montlucon ging es wieder in leichten Serpentinen bergauf und wir wichen von der Hauptstraße links in eine Nebenstraße. Orte um Orte, aber eher klein. Wir erreichen den Ort Villafranche-d`Allier. Der Ort weist auf Radsporttradition hin. An der Kreuzung ein „Räderberg“ und ein gemütliches Cafe nebenbei. Dort verrät uns der Kellner eine Pension. Hubert war für die Kontaktaufnahme zuständig, während Sepp sich einen Espresso gönnte. Beim 3. Espresso dann kurze Nachschau in der Pension, wo Hubert bleibt. Vorerst sah es so aus, als wollte er bereits einen Kaufvertrag aufsetzten. Nein! Die „Rezeptionistin“ verstand nur die französische Sprache und so gestaltete sich das Einchecken als schwierig. Auf der Karte dann die Erkenntnis, dass Paris am selben Längengrad (nordwärts natürlich) lag als dieser Ort. Am Abend Fussball in Bar und Abendessen am Zimmer (tolles Picknick). Die Räderaufbewahrung aber ein Highlight. Das Obergeschoss im angrenzenden Schuppen musste her. Mit Leiter und allem was dazugehört.
Tag 14: - Wir drücken auf den Kilometerstand – 189 km, 2.212 HM. Es geht ins Burgund. Die Gegend wird drastisch schöner. Weinbau und Rinderherden begleiten uns am Straßenrand. Die Kilometer purzeln und es geht uns wirklich gut, als würden wir einen Ruhetag hinter uns haben. Die Stadt Moulin ist erreicht. 90 km. Das Garmin leitet uns dann auf die N 70 – eine Autostraße. Unfahrbar für Radfahrer und wir müssen runter und die Parallelstraße nehmen. Einen langsam fahrenden Radfahrer bereits zum 2en mal überholt. Zitat von Sepp: „So wie der fährt, braucht er für unsere Strecke 2 Monate!“. Hubert: „Er hat aber einen Vorteil gegenüber uns, er kennt den Weg!“. Dann ging es nach einer hafenähnlichen Kneipe auf eine Nebenstraße, die kilometerlang entlang eines Kanales führte. Auch ein Atomkraftwerk tauchte plötzlich mitten in einer Schrebergartensiedlung auf. Dann ab Km 170 Quartiersuche. Wir fuhren weiter von Ort zu Ort und in Saint Gilles dann ein Privatquartier bei „Urs aus Zürich“. Ein gemütlicher Zeitgenosse, der mit seiner Frau eine Villa dort gekauft hatte und einige Fremdenzimmer als Zeitvertreib betreibt. Er tischte uns ein 4-Gänge Menü auf und zeigte uns voller Stolz seinen prall gefüllten Weinkeller. Am Abend wussten wir, warum er so viel Wein eingelagert hatte. Beim 4. Gang war er bereits so beisammen, als wäre er die 190 km gefahren. So endete der gemütliche Abend um 23:00 Uhr.
Tag 15 – Freitag, 20. Juni 2014
Saint Gilles (Burgund) - Villersexel
195 km, ca. ?? Höhenmeter
2.212 Gesamtkilometer
Frühstück ist dem Ambiente angepasst: Es gibt guten Kaffee, Wurst, Fromage (Käse), Joghurt , Cornflakes und das persönliche Gespräch mit dem Vermieter Urs. So beginnt ein schöner Tag im Burgund. Dazu noch das leise Bellen des Haushundes mit ungarischem Akzent (er hat ungarische Großeltern und man weiß ja, das überträgt sich bei Hunden). Grundsätzlich ist es ein Morgen wie immer: Wir durchstöbern die Zeitung, lesen (!) den Wetterbericht und fragen uns auch noch einer Woche, was „heute“ oder „morgen“ bedeutet und was überhaupt die Wolken auf den Karten bedeuten. Denn bei uns scheint die Sonne.
Start um 8:30 Uhr – etwas verspätet. Nach 85 km erreichen wir das erste Etappenziel Dole. Die Landschaft ist nur bedingt gegenüber den Vortagen verändert, einzig die Weizenfelder nehmen zu. Bei Aldi wird eingekauft und im Schatten der Grünanlage des Parkplatzes wird ein Picknick improvisiert. Es gibt Milchshakes und sogar eine Nachspeise. Vom Feinsten.
Anschließend wird es wieder hügeliger. Zuerst auf einer Hauptstraße, auf der wir uns den einzigen Fahrstreifen mit den LKWs teilen. Die LKW-Fahrer nehmen soweit es geht Rücksicht, nur wenn sehr wenig Platz ist, schneiden sie uns und drängen uns von der Straße. Aber ansonsten lassen sie uns gewähren.
Bald geht es wieder auf Nebenstraßen weiter und wir durchqueren kleinere Orte mit oft sehenswerten Kirchengebäuden. Allerdings ohne Infrastruktur wie Unterkünfte. Nach 150 km fangen wir an zu suchen.
Nach 185 km (wir fahren konstant gefühlte 35 km/h), es ist inzwischen 19 Uhr, fängt leichtes Unbehagen an. Die Situation spitzt sich zu. Auch „das Garmin“ fällt aus, die Akkus sind leer. In Romquefort eine Hilfe: Die netten Barbesucher deutschen uns in Englisch und Französisch aus, dass im nächsten Ort zwei Hotels stehen. Wir kaufen uns an der Bar ein Fanta alkoholfrei und überreden den Barchef, uns nachzufragen, ob noch ein Zimmer frei ist. Er macht mit, fragt nach und kann uns beruhigen: In Villersexel wartet ein Zimmer auf uns. Die Lage entspannt sind – wir prosten mit dem Barchef auf die erfolgreiche Zimmerreservierung aus 10 km Entfernung herzlich zu. Es stellt sich heraus, dass er großer Radsportfan ist und zudem bei der bekannten Tour quer durch Frankreich von Straßburg nach Perigningnon offizielle Stempelstation ist. Er verleiht uns spontan den goldenen Stempel für eine Tour quer durch Europa (der wurde, soweit uns bekannt, das erste Mal verwendet). Um 20:30 Uhr Zimmerbezug (man spricht deutsch), um 21 Uhr kleiner Imbiss und anschließend Frankereich gegen Schweiz.
Wir feiern heute 14 Tage regenjackenfrei und morgen beginnt die Abschiedstour: Jeder Wochentag wird der letzte der Tour sein – denn geplanter Landetermin in Leopoldschlag ist Donnerstag (Alternative: Freitag).
Kurzer Rückblick auf Frankreich: Wir können die oft genannten Vorurteile betreffen Arroganz nicht bestätigen. Im Gegenteil: Wir wurden ausnahmslos überall herzlich aufgenommen und trotz Sprachproblemen wurde uns geholfen. Wir sind positiv überrascht und freuen uns, jeden Tag wieder nette Bekanntschaften gemacht zu haben. Die Autofahrer sind in Frankreich (und auch Spanien) gegenüber Radfahrer sehr rücksichtsvoll. Wir sind begeistert.
Tag 16 – Samstag, 21. Juni 2014
Villersexel – Freiburg im Breisgau
167 km, ca. ?? Höhenmeter 2.379 Gesamtkilometer
Am gestrigen Abend (Freitag) war nach dem Fußballspiel noch ein Besuch des Ortes angesagt. Der war nach fünf Minuten erledigt und es folgte ein Abschluss in einer Bar, die unter dem Motto stand „Jugend forscht“. Im Laufe des Abends werden diverse Sprachkenntnisse ausgetauscht und schön langsam werden wir Franzosen. Heute (Samstag) ist Sommerbeginn und das Wetter passt dazu: Lies’l scheint ungefiltert auf die zwei Mühlviertler. Nur der Wind weht von allen Seiten, daher ist das Tempo überschaubar. Nach ca. 40 km wird die sehenswerte Stadt Belfort erreicht. Kaffeepause in der belebten Fußgängerzone. Dann geht es weiter zum Rhein bis zur französisch-deutschen Grenze. Der Verkehr nimmt zu. Im letzten Gasthof vor der Grenzbrücke wird ein Abschlussbier von Frankreich bestellt und auch ein Foto geschossen. Dann wir nach Deutschland übergesetzt. Es erfolgt die Anfahrt auf Freiburg im Breisgau. Wir freuen uns, dass nunmehr alle Sprachbarrieren hinter und liegen und müssen schmunzeln, als die fremdstämmige Angestellte des Hotels Sonne der deutschen Sprache weniger mächtig ist als wir der französischen nach einer Woche. Wir verstehen immer nur „is‘ verboten“, „mach i‘ erste Mal“ und „weiß nicht“. Um 19:15 Uhr haben wir im Hotel eingecheckt. Es bleiben 45 Minuten für Körperpflege, Wäsche und Radservice. Dann geht es zum Public Viewing auf einen nahegelegen Platz. Über 10.000 Schlachtenbummler, viele davon mit deutschem Teamtrikot, feiern gemeinsam mit uns das WM-Spiel. Die Frage beim Securitypersonal nach dem Gästesektor wird nicht so spaßig empfunden. Die Stimmung ist ein Erlebnis (Die Zuseher singen selbst bei der Hymne mit) die Versorgung mit Getränken allerdings auch: Wo gibt es etwas und überhaupt - wie komme ich durch die Menschenmassen? Aber wir sind Kämpfer, wer sich auf der Straße gegen LKWs und Wohnwagen durchsetzen kann, der schafft auch das. Gedanken: Die Tour de France ist zu Ende. Es hat uns ausgezeichnet gefallen. Vor allem weil das Leitbild der französischen Revolution gut zu uns passt – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Tag 17 – Sonntag, 22. Juni 2014
Freiburg im Breisgau - Stockach
125 km, ca. 1.338 Höhenmeter 2.506 Gesamtkilometer
Kurz nach dem Start (ohne Frühstück) erspähen wir an einer Ampelkreuzung eine geöffnete Backstube, die wir sogleich zu unserem Frühstückdomizil auserkoren. Der Hunger ist begrenzt, der Durst vorhanden. Die Ausfahrt aus der Stadt ist noch verkehrsarm. Die Einfahrt in den Schwarzwald ist sensationell. Eine schöne Hügellandschaft breitet sich vor uns aus. Vorbei an der Ortschaft Himmelreich geht es bergauf nach Hinterzarten (Schisprung-Weltcuport). Die Bundesstraße entwickelt sich in der Zwischenzeit zu eine vierspurigen „Autostraße“, bei der auch jeder Fahrstreifen genutzt wird. Ganz lustig ist das Radfahren jetzt nicht mehr. Es folgt die Abfahrt nach Titisee und die Einkehr auf einen Kaffee. Das Personal des Hochseilgartens ist von unserer Tour begeistert – Pepi erzählt die Erlebnisse auch in den schönsten Farben. Die Bundesstraße hat so viel Verkehrsaufkommen, dass wir beschließen, dieses Experiment zu beenden. Mit Höllentempo preschen die Autos und Motorräder an uns vorbei. Mit dem Tempo können wir leider nicht mithalten und so fahren wir über Luftkurorte (z.B. Dittelhausen) Richtung Donaueschingen, dem Quellursprung der Donau. In Bräunlingen wird die Mittagspause abgehalten – mit deutscher Gemütlichkeit. Endlich können wir auch mit den Lokalgästen in Gespräch kommen. Allerdings müssen wir uns auch wieder umstellen: Wir gehen nach wie vor zur Theke um zu bestellen und sind es noch nichr gewohnt, dass eine Bedienung an den Tisch kommt. Um 17:30 Uhr wird Nahe am Bodensee in Stockach ein Zimmer gebucht (Badischer Hof).
Tag 18 – Montag, 23. Juni 2014
Stockach – Kempten
152 km, ca. ?? Höhenmeter 2.660 Gesamtkilometer
Endlich mal wieder ein Frühstück wie zuhause – alles da und auch noch reichlich. Nach Villa Santina nimmt es Rang zwei ein. Danach eine „Schrecksekunde“: Hubert verlässt mit seinem Rad durch eine Tür die Garage. Er verschließt die Tür und bemerkt, dass er vom Frühstück noch die Radschuhe offen hat. Während er diese anzieht, ein Rumps und das Garagentor öffnet sich (der Chef möchte ausfahren). Das Problem: Es ist noch ein altes System und fährt nach vorne hoch. Zentimeter an Huberts Knie vorbei. Das muss man sich vorstellen: Da fährt man 2.500 km unfallfrei und dann wird man fast von einem Garagentor umgeworfen.
Es geht Richtung Bodensee. Pepi ist etwas unmotiviert, weil wir den Radweg nehmen müssen. Zwei Ausreißversuche, wieder auf die Bundesstraße „auszuweichen“ schlagen fehl. Einmal müssen wir das selber erkennen (Verkehr!), das nächste Mal werden wir von den Einheimischen, zum Teil mit Nordic-Walking Stöcken bewaffnet, zur Umkehr „gezwungen“ (Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Radfahrers auf dieser Bundesstraße ist nur unmerklich länger als die einer Eintagsfliege). Aber Pepi kämpft lieber gegen dicke Brummis als gegen E-Biker, die auch noch Rückspiegel montiert haben, die größer sind als jener bei uns im Vorhaus. In Meersburg die erste Rast, direkt am Bodensee. Herrliches Wetter, herrlicher Ausblick, herrlicher Espresso.
Die Weiterfahrt auf dem Radweg wird zur Totour. In Markdorf schlingelt sich der Weg durch jede Gasse, kein Haus wird ausgelassen. Als dann auch noch ein Läufer, den wir vor Kilometern überholt haben wieder vor uns läuft ist klar: Wir sind nicht auf der schnellsten Route. Dieser Radweg ist für Touris, aber nicht für uns. Zufahrten kreuzen den Radweg, Busgäste vom Ausfllug des Schützenvereins Hinterwäldlingen stehen auf dem Radweg und wundern sich über die vielen Radfahrer. Eine Herausforderung. Zu Mittag wird Ravensburg erreicht. Eine schöne Altstadt mit Flair.
Dann steht ein Treffen mit der Nachbargemeinde von Waldburg, nämlich Waldburg in Baden Württenberg, auf dem Programm. Leider hat das Gasthaus geschlossen und wir begnügen uns mit einem Gruppenfoto vor dem Schild für die Partnergemeinde. Die Weiterfahrt ist hügelig und kraftanstrengend. Wir müssen laufend Wasser fassen. In Isny eine Pause für die weiter Planung. Bis Kempten, noch ca. 40 km, sind zu schaffen. Wieder auf einen Mix aus Bundesstraße (mit Verkehr) und Radwegen (mit problematischer Beschilderung) wird der letzte Streckenteil in Angriff genommen. Eine Abkürzung über Buchberg ist zwar tatsächlich kürzer, aber dafür mit einem weiteren Anstieg verbunden. Die Abfahrt nach Kempten zeigt wieder eine Abkürzung. Jetzt wird es interessant, denn die Abfahrt geht zum Teil in den freien Fall über. Beide Bremsen anziehen und runter. Dafür ist es kürzer (ein Hoch an diesen Straßenplaner).
In Kempten wird eingecheckt (es beginnt bereits zu regnen) im Hotel BigBox, einen neumodernen Nobelschuppen, bei dem der Radabstellplatz schöner ist als so manches Zimmer der letzten Tage. Jetzt wird ausgepannt. Hoffentlich regnet es sich über die Nacht aus.
Tag 19 – Dienstag, 24. Juni 2014
Kempten (Allgäu) – Rott am Inn
187 km, ca. 1.716 Höhenmeter
2.848 Gesamtkilometer
Ein Rückblick auf den gestrigen Abend: Zuerst gehen wir auf Suche nach der Kulinarik des Allgäu und landen beim Thai Curry . Die Kulturen vermischen sich einfach überall. Gut so.
Im Hotel der nächste Programmpunkt: Wir müssen umziehen in ein besseres Zimmer – hochdeutsch als „upgrade“ bekannt. Wir nehmen gerne an – ein kleiner Rucksack ist leicht in ein anderes Zimmer zu transportieren. Nun wohnen wir im sechsten Stock, hoch über Kempten, und sind kurz vor der Kaiser-Suite, falls noch mal was passiert.
In der Früh ein ausgezeichnetes Frühstück mit allem. Dann geht es los: Im Regen (viele kleine Tropfen) starten wir in Richtung Marktoberdorf. Trotz guter Bekleidung muss angemerkt werden (in Abwandlung eines alten Sprichwortes) Steter Tropfen höhlt die Regenjacke.
In Preiting kommt Hoffnung auf: Vor uns wird der Himmel klarer und blau. Wir biegen ab, nach rechts und tiefer ins Graugebiet. Nach 70 km hört der Regen auf, uns zu nerven. Die Schuhe bleiben tropfnass, aber die Bekleidung trocknet schnell. Am Starnberger See eine kurze Mittagsrast (Leberkäse mit Bratkartoffel) und weiter geht es über Stock und Hügel. In Thal fällt das Navi aus – Energieprobleme. Wir steuern einen Gasthof an, der leider am heutigen Tag wegen Reparaturabeiten geschlossen hat. Wir bekommen trotzdem ein Getränk und ein nettes Gespräch. Allerdings wird uns, nachdem wir unsere weitere Route bekanntgeben, auch erklärt, dass wir keine Ahnung haben.
Wir nehmen es zur Kenntnis und müssen zugeben, wir haben keine Ahnung, aber unser Garmin - zumindest meistens.
Die Zimmersuche ist kompliziert und ein Mann mit seiner kleinen Tochter verhilft uns uneigennützig zu einer Dachgeschosswohnung. Die nehmen wir – so toll, wie die aussieht. Die Tochter kann es sich im Laufe der Suche allerdings nicht verkneifen nachzufragen:
Dialog: Tochter: Habt ihr kein Haus? Pepi: Zuhause schon! Tochter: Warum seid ihr dann nicht zuhause?
Wir müssen zugeben, während des Regens haben wir uns das auch mal kurz gefragt.